Historie: Jagstzell

Seitenbereiche

Barbarakapelle im Winter
Herzlich Willkommen in Jagstzell
Hütte im Wald
Herzlich Willkommen in Jagstzell

Vom Bauernhof zum Rathaus

Das Rathaus der Gemeinde entwickelte sich im Laufe von Jahrzehnten aus einem schlichten Bauernhaus, das Schultheiß Wunder in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts von den Bauerseheleuten Hauser, vormals Wagner (,,Kirchenbauer"), erworben hat und in dem ursprünglich Rat- und Schulhaus untergebracht waren.
Unter einem steilen Dach mit zwei gut proportionierten Giebeln lagen talwärts zwei Geschosse, zur Bergseite hin ein Stockwerk. Auf Anregung von Schultheiß Wunder ließ der Gemeinderat ein durchgehendes Satteldach aufsetzen. Als im Jahre 1898 ein eigenes Schulhaus erbaut wurde, diente das alte Gebäude nur noch als Rathaus und Wohnung des Schultheißen.
Von 1905 an wurde der Plan verfolgt, den dringend notwendigen Umbau des Rathauses durchzuführen. Dafür wurde schon vor dem Ersten Weltkrieg ein Rathausbaufonds angelegt. Doch das Vorhaben wurde nicht verwirklicht. Das jahrelang bereitstehende Geld ist dann der Inflation 1923 zum Opfer gefallen.
Ein im Jahre 1927 neugeschaffener Fonds reichte zur Bestreitung der Umbaukosten nicht aus. Bei Gemeindebesichtigungen und Ortsfeuerschauen wurde immer wieder auf die vorhandenen Mängel hingewiesen. Sie waren schließlich so gravierend, dass die südliche Hangseite entlang dem Schulhof, auf dem sich die Schüler tummelten, einzufallen drohte.
Daher beschloss der Gemeinderat unter Bürgermeister Borst am 29. Juni 1934, nach einem von Architekt Gauckler, Ellwangen, zu fertigenden Plan, das Rathaus umzubauen. Doch verzögerte sich die Durchführung dieses Beschlusses. Zunächst konnte kein Geldgeber für die notwendige Schuldaufnahme gefunden werden, und die vorgelegten Pläne wurden einer vielseitigen Kritik unterzogen. Im folgenden Jahr 1935 wurde dann das Rathaus umgebaut und im südlichen Bereich aufgestockt.
50 Jahre danach hatten sich Bürgermeister Herrmann und der Gemeinderat wieder mit einem Umbau des Rathauses zu befassen. Die Gemeindeverwaltung war beengt in wenigen Zimmern untergebracht; der Sitzungssaal war zu klein, das enge Räumchen ähnelte mehr einer Gefängniszelle denn dem Repräsentationsraum einer stattlichen Gemeinde. Eine Sanierung im Sanitärbereich war dringend erforderlich. Andererseits bestand noch die ehemalige Zelle des Ortsarrestes mit zwei Stockbetten aus Stahl; und betagte Jagstzeller Bürger erinnerten sich noch genau daran, wer im Jagstzeller „Gemeindeknast" eingebuchtet war. Ein umfassender Umbau musste also dringend durchgeführt werden. Mit den Planungsarbeiten wurde das Architekturbüro Rothmaier und Tröster, Ellwangen, beauftragt. Entscheidend war schließlich, dass die Kreissparkasse Ostalb den Plan fasste, ihre Kasse in Jagstzell zu einer hauptamtlichen Zweigstelle aufzustocken und passende Räume in zentraler Lage suchte. Diese boten sich im Erdgeschoss eines umgebauten Rathauses an. So beschloss der Gemeinderat am 8.8.1985 den lange diskutierten Umbau des Rathauses.
Während der Umbauarbeiten wurde die Gemeindeverwaltung im Obergeschoss des alten Schulhauses untergebracht. Hier fand sich auch genügend Raum für Sitzungen des Gemeinderats. Nach einjähriger Umbauzeit wurde das Rathaus am 3. Juli 1987 seiner Bestimmung übergeben. Die Kosten des Umbaus beliefen sich auf etwa 1 Million DM.
Das Talgeschoss wurde jetzt durch Arkaden und eine Teilung der breiten, alten Fensterlöcher umgestaltet. Das Dach überragt ein Türmchen für die Sirene. In zwei Stockwerken sind die verschiedenen Räume für die Verwaltung und ein repräsentativer und zweckmäßiger Sitzungssaal untergebracht, der den 12
Gemeinderäten endlich Sitzungen ohne qualvolle Enge ermöglicht. Die gleichzeitige Umgestaltung des Vorplatzes vom einstigen Schulhof zum Rathausplatz wertet die Dorfmitte zusätzlich in hohem Maße auf.
Jagstzell bietet ohnehin den besonders glücklichen Umstand der unmittelbaren Nachbarschaft und günstigen Zuordnung der bedeutsamen und Ortsbild prägenden Gebäude: Rathaus, Kirche, altes Schulhaus, Pfarrhaus und Gasthaus.

Seit Oktober 2020 ist die Gemeindeverwaltung im Interimsrathaus (Altes Schulhaus) untergebracht.